Unsere Geschichte

Treue

Es ruht auf tiefem Meeresgrunde
In einer Muschel zart und rein
Seit deiner ersten Lebensstunde
Von eigener Art ein Edelstein.
Wohl dir, wenn du ihn hast behalten.
Den kostbarsten auf dieser Welt,
Er schützt die Jungen wie die Alten,
So lang man ihn in Ehren hält.
Und gibt es hier auch keine Stätte,
Wo alles ewig sich bewegt,
So ist die Treue doch die Kette,
Die Raum und Zeit in Fesseln schlägt.
Heinrich Schlandt

Die Prämonstratenserinnen gründen ein Kloster

Wann entstand unsere Gemeinde? Sicher nicht erst mit der Reformation. Denn die Pfarrgemeinde, die die Reformation damals annahm, die hatte es auch schon vorher gegeben: es blieben dieselben Menschen, dasselbe Kirchengebäude – nur manche Bräuche änderten sich. Und die Schulbildung und die Armenfürsorge wurden besser.
Wir sollten uns also den Siedlern zuwenden, die aus dem Westen Europas aufgebrochen waren, ihre dortigen Pfarrgemeinden verlassen hatten und hier, im schönen Tal unter der Zinne, eine neue Gemeinde gründeten.
Die ersten Siedler aus Westeuropa sind bereits um 1160 im Gebiet des nahen Marienburg nachzuweisen. Im Burzenland lebten die deutschen Siedler damals in bunter Nachbarschaft mit Slawen, Vlachen, Ungarn, Szeklern und Petschenegen.
Einige Jahrzehnte später, um 1200, gründeten vermutlich Nonnen des Prämonstratenser-Ordens ein Kloster im Tal unter der Zinne. Sie kamen wohl aus dem flämisch-niederrheinischen Raum.

Die Prämonstratenser legten ihre Klöster gern in abgelegenen Gebieten, fern der großen Städte an, so dass das sonnige, von Bächen durchzogene Tal unter der Zinne einen idealen Siedlungsort darstellte. Ihre Klosterkirche weihten die Prämonstratenserinnen der Heiligen Corona, was 1235 urkundlich bezeugt ist.
Die klösterlichen Einrichtungen befanden sich vermutlich auf dem Gelände des heutigen Hofes der Schwarzen Kirche. Um sie herum entstand eine frühe Stadtsiedlung. Die westliche Herkunft der Siedler lässt sich aus den archäologischen Funden des Honterus-Hofs ablesen.

Der Deutsche Ritterorden im Burzenland

Im Jahr 1211 wurde der Deutsche Ritterorden von dem ungarischen König Andreas II. zur Grenzsicherung ins Burzenland berufen. Spätestens 1212 trafen die ersten Ritter ein und errichteten ihren Hauptsitz in Marienburg. Da der Orden sich aber nicht an die Bestimmungen der Verleihungsurkunde hielt, vertrieb König Andreas II. ihn bereits wieder im Jahr 1225. Das Prämonstratenserinnen-Kloster im Zinnental bestand auch während dieser Periode weiter.

Die Pfarrgemeinde wächst

Kronstadt war anfangs keine freie Stadt. Wohl bald nach der Vertreibung des Deutschen Ordens wurde das Burzenland einschließlich Kronstadt zum Komitat Barasu (Braso oder auch Brasso). Die deutschen Siedler des Burzenlandes werden in einer königlichen Urkunde von 1252 als „Saxones de Barasu“ bezeichnet; sie und die weiteren Bewohner der von ihnen verwalteten Ortschaften hatten besondere Hospites-Rechte (Freiheiten).
Ab 1228 gehörte das Prämonstratenserinnenkloster Corona zum sogenannten Kumanenbistum.

Da das entlegene Tal und dessen Befestigungen mehr Sicherheit boten als zahlreiche andere Siedlungen, strömten Menschen dahin, und die Ortschaft wuchs um den Klosterbereich.
Wie den Sachsen der Hermannstädter Provinz, so gelang es auch den Burzenländern, sich dem Erzbistum Gran (ungar. Esztergom) direkt zu unterstellen. Sie wählten einen Dechanten aus den eigenen Reihen. Ab 1447 hatte der Kronstädter Pleban ein Vorrecht auf dieses Amt.
Das Prämonstratenser-Kloster überlebte den Einfall der Mongolen von 1241 vielleicht geschwächt. Möglicherweise unterstellten sich die Klosterfrauen anschließend der Zisterzienserabtei in Kerz.
Wohl um 1300 verlor das Kloster an Bedeutung, die der Stadt stieg, und wahrscheinlich wurde die Klosterkirche zu einer Pfarrkirche für die Stadtgemeinde.

Die Pfarrgemeinde der Großstadt

Die aufstrebende Ortschaft erhielt von König Karl I. Robert von Anjou vermutlich um 1335 ihre ersten bedeutenden Stadtprivilegien. Dessen Nachfolger König Ludwig I. unterstützte die Kronstädter Kaufleute durch wichtige Handelsprivilegien (z. B. 1369 Stapelrecht für Tuche).
Im Laufe des 14. Jahrhunderts entwickelten sich die mittelalterlichen Siedlungskerne Bartholomä-Martinsberg, die Obere Vorstadt und die Blumenau zu Vorstädten. Im Laufe der Zeit wuchsen die alten Siedlungskerne zu der heutigen Stadt Kronstadt zusammen.

Zu dieser Zeit gehörten zur Pfarrgemeinde der Inneren Stadt alle Kronstädter Bürger, die innerhalb der mittelalterlichen Wehrmauer lebten.
Die Martinsberger Kirche wird erstmals in einer Urkunde vom 7. März 1395 als „Kapelle zu Ehren und mit dem Namen des heiligen Martin“ erwähnt; jedoch besaß sie vielleicht bereits vorher schon den Status einer Pfarrkirche für den Martinsberger Siedlungskern.

Die Marienkirche

Um 1380 beschlossen der junge Pleban Thomas Sander und die Stadtführung, anstelle der alten Pfarrkirche eine neue zu bauen. So wurde die alte Kirche abgerissen, und an ihrer Stelle entstand innerhalb von etwa neunzig Jahren eine große Marienkirche.
Die neue Marienkirche folgte architektonisch den aktuellen Trends, die Pfarrkirchen in bedeutenden Städten Ungarns und Süddeutschlands gesetzt hatten. Zur Errichtung des neuen Hallenumgangschores wählten die Kronstädter den Chor der Nürnberger Sebaldus-Kirche als Vorbild. An der Errichtung des Langhauses begonnen wurde eine Bauhütte aus Kaschau (slowak. Košice) beteiligt.

Die neue Marienkirche war prächtig ausgestattet. Sie verfügte über zahlreiche Altäre, darunter einen Corpus-Christi-Altar, einen Marienaltar, einen Altar zu Ehren der Zehntausend Heiligen Jungfrauen, einen Johannes dem Täufer gewidmeten Altar, einen Leonhard- und einen Lukas-Altar. Die Kirche besaß auch eine Orgel, eine Turmuhr und war bereits damals mit wertvollen Textilien reich ausgestattet.
Die große Frömmigkeit der Bevölkerung fand ihren Ausdruck in zahlreichen Messen, und an Hochfesten fanden Prozessionen statt, die die gesamte Innenstadt durchschritten.

Als König Matthias Corvinus zwischen 1467 und 1476 die sächsischen Provinzen neu ordnete, wurde Kronstadt Teil der Nationsuniversität, der höchsten politischen und rechtlichen Vertretung der Siebenbürger Sachsen. Dort verblieb die Stadt bis zur erzwungenen Auflösung der Nationsuniversität im Jahre 1876. Insgesamt war Matthias Corvinus ein bedeutender Förderer Kronstadts. Als Zeichen der fruchtbaren Beziehungen zwischen der Stadt und dem ungarischen Königshaus wurden in den Zwickeln des Marienwandbildes der Schwarzen Kirche die Wappen Königs Matthias und seiner Gattin angebracht.

Die Schulen

Schulanstalten könnte es in Kronstadt bereits seit den 1350ern oder 1360ern gegeben haben; eine Schule ist jedenfalls bereits für das Jahr 1388 bezeugt. Etwa aus derselben Zeit haben wir auch die ersten Nachrichten von Studenten aus Kronstadt, die im Ausland, vor allem an der Universität in Wien, studierten.

Kirchenreformation und Bildungsreform

Die Reformation entzündete sich in ganz Europa an den Missständen, die man der mittelalterlichen römisch-katholischen Kirche vorwarf. Im Jahren 1512 und 1524 schrieben sogar die Erzbischöfe von Gran an die Hermannstädter Geistlichen:

„Man spricht häufig davon, dass viele aus Eurer Mitte ein zügelloses Leben führten, wie es dem geistlichen Stand am wenigsten ziemt, weswegen ihr auch der Weltlichen Gemüter so sehr gegen euch aufgeregt habt.“

Die Kritik richtete sich auch gegen die mangelnde Bildung und die Habgier von Vertretern der Kirche: Die Kirche hatte hinsichtlich der Erwartungen an das Nachleben dem eigenen Anspruch zufolge eine Monopolstellung: Die Menschen gelangten allein durch sie bzw. durch ihre Vermittlung zum Heil. Für die Aussicht auf Erlösung verlangte die Kirche aber immer häufiger besondere Gegenleistungen. Besonders offenkundig missbrauchte die Kirche ihre Monopolstellung durch den Ablasshandel.

Spätestens 1519 brachten Hermannstädter Kaufleute einige Schriften Martin Luthers von der Leipziger Messe nach Hause. Insgesamt gelangte nun das reformatorische Gedankengut aus den oberdeutschen Städten über die Handelsstraßen nach Siebenbürgen. In Kronstadt und in den anderen siebenbürgischen Städten mit deutscher Bevölkerung war man mit dem „reformatorischen Humanismus“, der in engem Zusammenhang mit dem Schaffen Philipp Melanchthons stand, vertraut.
In Kronstadt wurde die Reformation, wie in anderen siebenbürgisch-sächsischen Stadtgemeinden auch, durch den Stadtrat gesteuert. Die politische Gemeinde war zu diesem Zeitpunkt noch mit der kirchlichen identisch.
In Kronstadt wurden bereits in den 1530er Jahren reformatorische Bestrebungen spürbar. In der großen Marienkirche wurde die erste „evangelische Mess“ Anfang Oktober 1542 gelesen. Einen Monat später beschlossen auch die anderen Ortschaften des Burzenlandes die Einführung der reinen Predigt des Evangeliums.

Für den Verlauf der Reformation in Siebenbürgen spielte der Kronstädter Humanist Johannes Honterus eine Schlüsselrolle. Etwa 1498/99 in Kronstadt geboren, wurde er als junger Mann an der Wiener Universität immatrikuliert, lernte den Humanismus dort kennen und unterrichtete nach Erwerb des Magistertitels in Wien und Kronstadt. An der Universität Krakau schrieb er sich im März 1530 ein und publizierte eigene didaktische Werke. Etwa zwischen 1530 und 1533 lebte er in Basel, wo er 1532 seine geographische Karte vom Sachsenlande schuf, die erste Karte Siebenbürgens überhaupt.
Honterus kehrte 1533 nach Kronstadt zurück, wurde bald Mitglied des erweiterten Stadtrates (als Hundertmann) und dann Mitglied des inneren Stadtrates. In der Nähe der großen Kirche richtete er 1539 eine Druckerei ein, um seine humanistischen Bildungsziele zu verwirklichen.
Aus der humanistischen Literatur des Westens wählte er, was ihm für sein pädagogisches Konzept nützlich schien, stellte es in Form von Lehrbüchern für den Schulunterricht auf sinnvolle Weise zusammen und druckte es ab. Mit den ersten Drucken aus dieser Offizin deckte Honterus das Trivium der artes liberales ab.

Die Lehrbücher aus der Honterus-Druckerei wurden nicht nur an den Kronstädter Schulen, sondern auch an anderen, für das akademische Studium vorbereitende Schulen, etwa in Klausenburg und Hermannstadt, genutzt. Sie bildeten die Grundlage für die Umwandlung der mittelalterlichen, neben der Marienkirche befindlichen Lateinschule in eine humanistische Lehranstalt. Eine neue Schulordnung, die Constitutio Scholae Coronensis, entstand nach Nürnberger Vorbildern im Jahr 1543 und bestimmte bis zum Zweiten Weltkrieg alle wesentlichen Aspekte des Schulbetriebs.
Beinahe gleichzeitig wurde Johannes Honterus durch den Stadtrat damit beauftragt, eine Rechtfertigungsschrift für die bereits vorgenommenen kirchlichen Änderungen zu verfassen, und es entstand ebenfalls 1543 das sogenannte „Reformationsbüchlein“ (Reformatio ecclesiae Coronesis ac totius Barcensis provinciae). Es erläutert, dass bei der Kronstädter Kirchenreform

„sorgfältig darauf geachtet worden (sei), dass der bei uns arg verdorbene Glauben in eine Form gebracht wurde, die für Menschen von gesundem Verstand nicht zu verschmähen ist. Dabei ist sorgfältig darauf geachtet worden, daß nicht etwas ohne Zeugnis der Heiligen Schrift oder das Beispiel hochgerühmter Städte in irgendeinem Punkt eingeführt, noch auch etwas, was zu Heile notwendig und ein offenbares Gebot Gottes ist, durch Nachlässigkeit verabsäumt werde.“

Die „heimische Sprache“, in diesem Fall die deutsche Sprache, wird in den Gottesdienst bei der Taufhandlung und bei den Gesängen eingeführt.
Mit Berufung auf die Heilige Schrift wird durch das „Reformationsbüchlein“ ein zentraler reformatorischer Gedanke vorgebracht: dass Gottes Vergebung der Sünden allein durch den Glauben empfangen werden kann, nicht aber durch sogenannte „gute Werke“.

Darüber hinaus streicht das Reformationsbüchlein die Bedeutung der Schulen in besonderer Weise heraus. Es wird erklärt, dass das verfallene Schulwesen neu geordnet worden sei, so dass Lehrer und Lektoren „jede Art von Wissenschaften unentgeltlich lehren“ und „in den freien Künsten … fortwährend unterrichten“. Auch dass „für das Bedürfnis der Studierenden“ eine öffentliche Bibliothek gegründet worden sei, findet Erwähnung.
Weitere Kapitel führen an, dass das Fürsorgesystem, vor allem die städtische Armenfürsorge, und der Schutz der Waisen deutliche Verbesserungen erfahren hätten.
Da neben den vorherrschenden theologischen Einflüssen aus Wittenberg auch solche der schweizerisch-oberdeutschen Reformation von Historikern geltend gemacht wurden, wurde die Kronstädter Reformation auch als Ausprägung eines theologischen Synkretismus bzw. Eklektizismus bezeichnet.

Am 27. Dezember 1543 beschlossen der Stadtrat und die Hundertmannschaft (innerer und äußerer Rat) von Kronstadt den Artikel „Von der Schützung der Religion oder unserer Kirchen-Reformation“, der 1555 in das „Decretale Coronensium“ – das Kronstädter Stadtgesetzbuch – aufgenommen wurde. Damit wurden die im Reformationsbüchlein von Johannes Honterus aus dem Frühjahr 1543 beschriebenen Reformen und Einrichtungen festgeschrieben.
Honterus sollte schließlich durch seine Ernennung am 22. April 1544 zum ersten gewählten evangelischen Stadtpfarrer Kronstadts werden, und auch als solcher sorgte er weiter für die Verbreitung des Wissens und des Glaubens etwa dadurch, dass er die Errichtung einer Papiermühle in den Bienengärten am Weidenbach, nahe Kronstadt, initiierte. Noch vor den Papiermühlen in Klausenburg (1562) und Hermannstadt (1574) war sie die erste Papiermühle auf dem Gebiet des heutigen Rumänien.

Am 7. März 1546 überreichte er dem Stadtrat das erste von der Kronstädter Papiermühle erzeugte Papier. Von den insgesamt 147 Drucken, die zwischen 1547 und 1594 auf Kronstädter Papier gedruckt wurden, sind die meisten didaktische Werke für den Schulgebrauch. Für die rumänische Kulturgeschichte sind insbesondere die 37 Werke mit kyrillischen Lettern, die auf Kronstädter Papier gedruckt wurden, von Bedeutung. Darunter befindet sich der älteste bislang bekannte gedruckte Text in rumänischer Sprache.
Johannes Honterus verstarb am 23. Januar 1549 und wurde mittig vor dem Altar der heutigen Schwarzen Kirche bestattet. Die Lage der Gruft ist heute nicht mehr genau identifizierbar. Ein Gedenkstein im Chorraum erinnert heute an den Humanisten und Reformator.

Zwei Jahre vor Honterus‘ Tod, 1547, wurde gegenüber der Westfassade der Stadtpfarrkirche ein Neubau für die gewachsene Schulbibliothek errichtet. Im ältesten erhaltenen Bibliothekskatalog waren über 600 Bände und Handschriften verzeichnet. Wenige Jahre später begann der orthodoxe Diakon Coresi mit der Übersetzung von Martin Luthers Kleinem Katechismus (1559) und anderen religiösen Schriften, die höchstwahrscheinlich in der Honterusoffizin gedruckt wurden.

Die Marienkirche wird evangelische Pfarrkirche

Die einstige Marienkirche wurde nun zu einer evangelischen Stadtpfarrkirche. Da die Heiligenverehrung zurückging, baute man auch die Seitenaltäre ab, die ihr gedient hatten. Der Stadtrat entnahm dem Kirchenschatz liturgische Objekte, die nicht mehr gebraucht wurden: Monstranzen wurden eingezogen, weil das Prozessionswesen zurückging und Reliquienbehälter wurden entnommen, weil gemeinsam mit den Heiligen auch die Reliquien nicht mehr verehrt wurden.
Da die Reformation in Kronstadt einen konservativen Charakter hatte, wurden sonst keine maßgeblichen Änderungen an der vorreformatorischen Ausstattung vorgenommen. Im Rahmen der evangelischen Gottesdienste blieben vorreformatorischen Messgewänder sogar bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, vor allem bei dem Vollzug des Abendmahls, in Gebrauch.

In demselben Jahr wurde auch in Hermannstadt und Mediasch die Reformation unter wesentlicher Einwirkung der dortigen Stadträte nach Kronstädter Vorbild durchgeführt. Die Nationsuniversität beschloss 1545, dass die Reformation in den siebenbürgisch-sächsischen Gemeinden einheitlich durchgeführt werden sollte, so dass schließlich 1547 in Kronstadt die „Kirchenordnung aller Deutschen in Sybembürgen“ gedruckt wurde, die zu weiten Teilen auf dem Reformationsbüchlein von 1543 beruht.

Bis zur Mitte der 1550er Jahre breitete sich die Kronstädter Stadtreformation als Kirchen- und Bildungsreform über die gemeinschaftlichen Vertretungen der Nationsuniversität und der Geistlichen Universität (ein Kollegium aller siebenbürgisch-sächsischen Geistlichen) auf das gesamte sächsische Siedlungsgebiet aus. Am 6. Februar 1553 schließlich wählte die Synode der siebenbürgisch-sächsischen Kirchengemeinden den ersten Bischof der neuen Landeskirche.

Am 13. Januar 1568 verabschiedete der in Thorenburg (rum. Turda, ung. Torda) tagende siebenbürgische Landtag ein Toleranzedikt, mit dem neben der katholischen, der reformierten und der unitarischen Konfession auch die evangelisch-lutherische anerkannt und zur freien Ausübung des Glaubens berechtigt wurde.

Die Confessio Augustana in Siebenbürgen

Alle evangelisch-lutherischen Kirchen verbindet neben Martin Luthers Kleinem Katechismus das Augsburgische Bekenntnis. Es wurde im Jahre 1530 von den evangelischen Fürsten und Ständen in den deutschen Ländern dem Kaiser Karl V. auf dem Reichstag zu Augsburg vorgelegt.

In Siebenbürgen findet das Augsburger Bekenntnis erstmals in einer Urkunde des Jahres 1554 Erwähnung. Die Geistlichen des Bistritzer Dekanats bezeichnen es darin als Grundlage ihres Glaubensstandes. Amtlich anerkannt wurde das Bekenntnis von den sächsischen Geistlichen und lutherischen ungarischen Geistlichen auf der Mai-Synode 1572 in Mediasch auf Betreiben des siebenbürgischen Fürsten Stephan Báthory. Fürst Báthory bestätigte 1572, dass auf dem Königsboden der Siebenbürger Sachsen ausschließlich das Augsburgische Bekenntnis Gültigkeit besitze.
Unsere Pfarrer werden bei der Ordination auf das Augsburgische Bekenntnis verpflichtet, und jedes Gemeindeglied wird vor der Konfirmation aufgrund der Lehre, unserer Kirche, die von diesem Bekenntnis bestimmt ist, unterwiesen.

Die evangelischen Kirchenbauten auf Stadtgebiet nach der Reformation

In der Inneren Stadt blieben nach der Reformation außer der großen Stadtpfarrkirche allein die Klosterkirche, die den evangelischen Ungarn als Gotteshaus diente, und die Spitalskirche in Betrieb.
Die Klöster wurden aufgelöst und ihre Gebäude für allgemeine städtische Zwecke umgenutzt. Im Chorraum der alten Dominikanerkirche hielten nun die ungarischsprachigen Lutheraner ihre Gottesdienste ab. Die Johanniskirche wurde in ein Getreidemagazin umfunktioniert und erst seit der Mitte des 17. Jahrhunderts wieder für Gottesdienste genutzt. Wann die kleineren Kapellen, etwa die Laurentiuskapelle oder die Allerheiligenkapelle ihre Rolle einbüßten, ist nicht bekannt.
Eine Besonderheit stellen die evangelischen Vorstadt- oder Filialgemeinden dar. Eine eigene Stellung hatte Bartholomä, das bereits im 16. Jahrhundert über eine eigene Gemeindestruktur verfügte. Weitere Filialkirchen waren die Martinskirche auf dem Martinsberg [Link intern: Kirche auf dem Martinsberg] und die Siechhofkirche [Link intern: Kirche Blumenau] in der Blumenau.

Nach dem Beginn der Herrschaft der Habsburger mussten die Klosterkirche und die Johanniskirche im Jahre 1716 an die katholische Kirche abgetreten werden. Am Orte der Klosterkirche wurde im 18. Jahrhundert die römisch-katholische Peter- und Paulskirche errichtet.

Die Gemeinde im Zeitalter der Konfessionalisierung (17.-18. Jh.)

Im Laufe des 17. Jahrhunderts klärte die junge evangelische Landeskirche nach und nach zahlreiche Glaubensfragen. Dies geschah vor allem auf den häufigen Synoden. Dabei entwickelte sie ein immer eindeutiger lutherisch-wittenbergisch geprägtes Profil. Um etwa 1615 endete die lange Phase des theologischen Synkretismus bzw. Eklektizismus, und die Konfessionsbildung der lutherischen Kirche war abgeschlossen, aber die Konturierung der lutherischen Lehre gegenüber anderen protestantischen Strömungen dauerte bis über die Jahrhundertmitte hinaus.

Die Kronstädter Seite befürwortete in diesem Prozess die Ausrichtung an den Schriften Luthers und dem Reformationsbüchlein von 1543. Kronstadt vertrat, was den Bruch mit der alten Kirche angeht, eine gemäßigte Haltung, lehnte aber zunehmend Tendenzen reformierter Herkunft ab. Im Jahr 1602 beschloss der äußere Rat (die Hundertmannschaft) von Kronstadt ausdrücklich,

„Das die Religion undt alle Kirchen Ceremonien by dem alten gebrauch, wie zur Zeit des Herrn Ioh. Honteri gewesen ist, also auch soll hinfort gehalten werden.“

Man gab etwa die vorreformatorischen Heiligenfeste zum Teil auf und ging zu einem Heiligengedenken über, bei dem die Heiligen nicht mehr als Mittler zu Gott angerufen wurden, ihrer aber gedacht wurde. Was die Form des Gottesdienstes angeht, führte Kronstadt zahlreiche Elemente fort, etwa das Niederknien während des Ritus, die lateinischen Gesänge, die Priesterkleidung und die Elevation der Hostie. Die großen Marienfeste aber wurden beibehalten – ein eindeutiger Hinweis auf die besondere Verehrung, die die Heilige Jungfrau genoss.

Im Laufe der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts nahmen auch die noch zum reformierten Glauben neigenden ungarischen Gemeinden des zu Kronstadt gehörenden Umlandes den lutherischen Glauben an.
Die Gemeinde strebte danach, ihren Standpunkt auch äußerlich kenntlich zu machen. Als die Stadtpfarrkirche im Zuge des großen Stadtbrandes vom 21. April 1689 erheblichen Schaden erlitt und wieder aufgebaut werden musste, nutzte die Stadtgemeinde die Gelegenheit, bei dem Wiederaufbau ihre evangelisch-lutherische Identität durch zahlreiche sichtbare Elemente ausdrücklich zur Schau zu stellen.

Rekatholisierung

Nachdem sich die habsburgische Zentralgewalt in Siebenbürgen durchgesetzt hatte, bemühte sie sich um Rückgewinnung der vorreformatorischen Stellungen. 1712 gab es erstmals wieder eine Fronleichnamsprozession in der Inneren Stadt. Die Johanniskirche wurde 1716 wieder in den Besitz der römisch-katholischen Kirche übernommen und von Franziskanermönchen bezogen. Zwischen 1776 und 1782 entstand an der Stelle eines durch die Reformation aufgehobenen Dominikanerklosters die römisch-katholische Sankt-Peter-und-Pauls-Kirche.
In der Inneren Stadt begann eine Zeit der intensiven Koexistenz. Die Herrschaft der Habsburger machte eine neue Gemeindestruktur nötig, da nach der damals eingeführten „Proportio geometrica“ die Hälfte der Ratsherren der katholischen Staatsreligion angehören mussten. So bildete sich für die nur evangelischen Belange aus den evangelischen Ratsherren der „evangelische Magistrat“ als Leitungsorgan der evangelischen Stadtpfarrgemeinde, der diese betreffende Probleme in eigenen evangelischen Zusammenkünften erörterte und evangelische Entscheidungen traf.

Bis 1772 wurde die große, seit dem Brand von 1689 im Wiederaufbau befindliche evangelische Stadtpfarrkirche vollständig wiederhergestellt. Durch die Art und Weise des Wiederaufbaus betonte die Gemeinde ihre lutherische Identität.

Im Jahr 1777 entstand die evangelische Kirche in der Blumenau für die Deutschen und für die ungarischsprachige lutherische Gemeinde im Jahr 1783 ein Kirchenbau beim Purzengässer Tor. 1793 kam für die deutsche Gemeinde die neu gebaute Obervorstädter Kirche dazu. 1795 wurde die evangelische Kirche auf dem Martinsberg erweitert.

Bis 1787 wurde am Rossmarkt die „griechische Kirche“ im rückwärtigen Teil zweier Höfe geschaffen. Zusätzlich zur alten orthodoxen Nicolaikirche entstand 1813 die Dreifaltigkeitskirche im oberen Zinnental (Pe Tocile) zunächst als Holzkonstruktion und 1833 ein Bethaus an der Kornzeile. Die Reformierten richteten sich 1822 auf dem Fischmarkt (der späteren Hirschergasse) ein Bethaus ein. Die Unitarier ebenso wie die griechisch-katholische Kirche gründeten in Kronstadt erst später Gemeinden.

Aufbau im 19. Jahrhundert

Dank des anhaltenden Friedens und der neuen Ordnung der Verhältnisse durch die Zentralmacht konnte sich gemeinsam mit Siebenbürgen auch Kronstadt allmählich erholen.
Die Toleranzpatente Kaiser Josephs II. brachten das Ende der Gegenreformation. Insbesondere das Toleranzpatent von 1782 ermöglichte den protestantischen Glaubensgemeinschaften wieder die freiere Ausübung ihres Glaubens. Gleichzeitig verloren die Siebenbürger Sachsen ebenso wie die Szekler durch Staatsreformen Schritt für Schritt ihre im Mittelalter erworbenen Rechte auf politische Mitverwaltung des Landes.

Die alten Handwerkszünfte wandelten sich in Genossenschaften. Die sächsischen Handwerker wurden zu Unternehmensgründern und arbeiteten auch mit rumänischen Kaufleuten partnerschaftlich zusammen. Die während des Jahrhunderts entstandenen Wirtschaftsbetriebe wurden noch vor der Jahrhundertwende zur Keimzelle einer raschen Industrialisierung Kronstadts.

Die traditionelle Weltoffenheit der Stadt mündete auch in eine unabhängige Presselandschaft. Im Druckhaus von Johann Gött erschien ab 1837 das „Siebenbürger Wochenblatt“ und ab 1838 die „Gazeta Transilvaniei“. Zwei führende Persönlichkeiten des Vormärz, George Barițiu und Stephan Ludwig Roth, publizierten in der Zeitschrift „Blätter für Geist, Gemüth und Vaterlandskunde“ bzw. in deren rumänischem Pendant, „Foaie pentru minte, inimă și literatură“. Stephan Ludwig Roths wegweisende Schriften, „Der Sprachkampf in Siebenbürgen“ und „Der Geldmangel und die Verarmung“ erschienen 1842 und 1843 bei Johann Gött in Kronstadt.

Im November 1847 fasste die Kronstädter Hundertmannschaft als erste sächsische Körperschaft überhaupt den Beschluss, die Rumänen an der politischen Vertretung der Stadt zu beteiligen. Anfang 1848 erkannte auch die Nationsuniversität die Bürgerrechte der Rumänen auf Königsboden an.

Von der Mitte des 19. Jahrhunderts an hieß die sächsisch-evangelische Kirche Evangelische Kirche A.B. (A.K.). Seit 1927 hieß sie Evangelische Landeskirche A.B. in Rumänien; die Bezeichnung wurde später geringfügig abgewandelt.

Die Aufhebung des Königsbodens und die Auflösung der Nationsuniversität im Zuge des Österreichisch-Ungarischen Ausgleichs (1867) führten dazu, dass die evangelische Kirche zur letzten übergreifenden Institution der Siebenbürger Sachsen wurde und ihr ab nun alle Aufgaben einer gemeinschaftlichen Interessenvertretung zufielen. Unter dem Dach der evangelischen Kirche wurde das deutschsprachige Schulwesen erhalten und ausgebaut.

Ausgestattet mit einem auch konfessionell determinierten, ausgeprägten Sinn für gesellschaftliche Verantwortung, investierte die Gemeinde in den Bau von zahlreichen Erziehungs- und Ausbildungsstätten wie Schulen und anderen Ausbildungsstätten. Zur Zeit des Gymnasialrektors Joseph Christian Fabricius (1766-1851) wurde das Kronstädter Schulwesen vollständig erneuert. Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges wurden zahlreiche Schulgebäude und zahlreiche andere, Erziehung und Bildung dienende Gebäude aus den Mitteln der Gemeinde gebaut. Eines der größten ist das in den Jahren 1911-1913 errichtete neue Gebäude des Honterusgymnasiums am Fuße des Rahmenberges.
Besonderen Wert wurde auch auf die Entwicklung der evangelischen Sozialfürsorge gelegt. Nachdem in Hermannstadt und anderen sächsischen Stadtgemeinden zunächst nach deutschen Vorbild eine Diakonissenanstalt gegründet worden war, entstand 1897 auch in Kronstadt eine Schwesternstation. Die Diakonissen arbeiteten in der Privatpflege oder in Spitälern, zuweilen auch in Sanatorien.

Das geistliche Leben war im 19. Jahrhundert ebenfalls einem Wandel unterworfen. Der Ablauf der Gottesdienste änderte sich und der sonntägliche Hauptgottesdienst erhielt gegenüber anderen, unter der Woche stattfindenden Gottesdiensten und Andachten zunehmend mehr Gewicht. Es kam zu einer lebhaften Annäherung zwischen der evangelischen Kirche der Siebenbürger Sachsen und den evangelischen Kirchen der deutschen Länder, später zu jenen des deutschen Kaiserreichs. Die Kirche der Siebenbürger Sachsen schloss sich an die Entwicklungen der dortigen evangelischen Landeskirchen an, von der Erweckungsbewegung bis hin zum lutherischen Konfessionalismus.
Im Jahre 1863 wurde „der lang genährte Wunsch der Bartholomäer Tochtergemeinde erfüllt“ und diese zu einer selbstständigen Gemeinde erklärt.
Die Blumenauer ungarisch-evangelische Gemeinde erscheint 1884 zum letzten Mal im Jahresbericht und wurde im Jahre 1887 von der Stadtpfarrgemeinde abgetrennt, ist seitdem selbstständig und gehört dem Klausenburger evangelisch-lutherischen Bistum an.
Ein besonderes Jahr in der Geschichte der Honterusgemeinde war das Jahr 1898, als die 400-Jahrfeier der Geburt des Reformators Johannes Honterus (1498 – 1549) festlich begangen und sein auf die Schule weisendes Standbild vor dem Kirchturm errichtet wurde.

Um die Jahrhundertwende wurde das geistliche Leben Kronstadts besonders durch zwei weitblickende und umfassend gebildete Stadtpfarrerpersönlichkeiten geprägt, Franz Oberth  und Franz Herfurth.

Auf das Bedürfnis der Menschen nach einem lebendig gelebten Glauben antwortete in Kronstadt in besonderem Maße die sogenannte „Gemeinschaftsbewegung“. Der Prediger Georg Adolf Scherg war die treibende Kraft der zwischen 1894 und 1935 angewachsenen Frömmigkeitsbewegung. Sie wirkte sich nicht nur in der Veranstaltung zahlreicher Kindergottesdienste, Bibelarbeiten, Rüstzeiten für Pfarrer und Vortragsabende aus, sondern auch in der Gründung des Kronstädter Blaukreuzvereins (1911), des „Jugendbundes für entschiedenes Christentum“ (1911) und des sogenannten Tabea-Kreises, in dem Frauen und Mädchen wöchentlich zusammen kamen, um diverse Handarbeiten anzufertigen und sie dann vor Weihnachten zu verkaufen, wobei der Erlös Notleidenden und Armen zugute kam.

Erster Weltkrieg und Folgen

Der Erste Weltkrieg bedeutete für die Gemeinde einen tiefen Einschnitt. Für die aus den Reihen der Honterusgemeinde stammenden 152 Opfer des Weltkrieges wurde in der Schwarzen Kirche später, 1928, eine Gedenktafel errichtet.

Der Weltkrieg brachte Siebenbürgen und damit auch Kronstadt unter die neue Staatshoheit Rumäniens. Durch die Agrarreform wurde die Gemeinde mit drei Milliarden (damaligen) Lei geschädigt. Um die Enteignung wenigstens teilweise zu verhindern, wurden die Filialgemeinden in Rechtspersonen umgewandelt.
Auch die bisherige Schulautonomie wurde in Frage gestellt und das Honterusgymnasium konnte erst nach zehn Jahren Tauziehen mit den Behörden eine Funktionsgenehmigung erhalten. Trotzdem wurden in dieser Zeit große Bauvorhaben verwirklicht.

Von der Zwischenkriegszeit in die Gegenwart

In den 1930er Jahren machte sich auch in Kronstadt das aus dem Deutschen Reich einströmende nationalistische Gedankengut bemerkbar. Die gemäßigten Politiker der Siebenbürger Sachsen wurden zurückgedrängt. Nachdem die Nationalsozialisten in den Reihen der Siebenbürger Sachsen auf reichsdeutschen Druck hin einen „Volksgruppenführer“ für alle Deutschen Rumäniens eingesetzt hatten, wählte diese „Volksgruppenführung“ Kronstadt als Standort.
Diese „Volksgruppe“ sollte für die Gleichschaltung der deutschen Bevölkerung nach reichsdeutschem Vorbild sorgen. Auf tragische Weise ließen sich zahlreiche Mitglieder der deutschen Minderheit für das nationalsozialistische Gedankengut begeistern.
Der Besetzung Rumäniens durch die sowjetische Armee folgten zahlreiche Änderungen in allen Lebensbereichen. Besonders hart getroffen wurde die deutsche Bevölkerung Rumäniens, der eine Kollektivschuld an dem Krieg zugesprochen wurde. Im Januar 1945 begann auf Befehl Stalins auch in Kronstadt die Deportation aller Arbeitsfähigen in russische Arbeitslager.

Erst ein Jahr nach der Deportation durfte Post ausgetauscht werden. Als die erste Postkarte der Deportierten Kronstadt erreichte, wurde diese sogar von der Kanzel der Schwarzen Kirche verlesen.
Bis 1952 wurden die meisten überlebenden Deportierten aus der Gefangenschaft entlassen. Viele von ihnen kehrten aber nicht mehr nach Siebenbürgen zurück, sondern ließen sich in Deutschland nieder, so dass zahlreiche Familien bereits getrennt wurden. Diese Situation führt dazu, dass viele Deutschen Rumäniens zu ihren im Ausland befindlichen Anverwandten auswandern wollten.

Die Kirchengemeinde hatten die Schulen im Herbst 1944 – nachdem sie 1941-42 von der „Volksgruppe“ zwangsweise vereinnahmt worden waren – wieder übernommen und führten sie im Rahmen der Möglichkeiten weiter. Erst im Jahr 1948, nachdem die Monarchie gestürzt und Rumänien Volksrepublik geworden war, wurde das gesamte Schulwesen verstaatlicht, umstrukturiert und der Unterricht ideologisch neu ausgerichtet. Oft wurden die Schulgebäude der deutschen Gemeinde für andere Zwecke benutzt. Die neue Honterusschule wurde als Lazarett und dann als Krankenhaus genutzt. In der Mädchenschule wurde die 1948 neu gegründete Forstakademie untergebracht; das Gebäude wurde bis heute nicht an die Gemeinde rückerstattet. Erst im Jahr 1956 konnten die an anderen Orten in der Stadt lernenden deutschen Klassen die historischen Schulgebäude des alten Honterus-Lyzeums auf dem Hof der Schwarzen Kirche wieder dauerhaft beziehen.

Die Verstaatlichung brachte auch für die deutsche Bevölkerung dramatische Einschnitte: etwa 90% des siebenbürgisch-sächsischen Grundbesitzes fielen der Enteignung zum Opfer. Von 1950 bis 1960 erhielt die Region den Namen Stalin und die Kronstadt wurde umbenannt in Stalinstadt/Orașul Stalin/Sztálinváros. Im Jahr 1952 fanden großangelegte Evalkuierungen statt: Sächsische Bürger mussten ihre Häuser verlassen und auch in weit entfernte Städte ziehen, um Platz für Angehörige des Staats- und Parteiapparats zu machen.
Auf die Demoralisierung der deutschen Bevölkerung zielten auch viele politisch motivierte Schauprozesse, die alle in Kronstadt, dem zentralen Ort der Region, stattfanden. In der Honterusgemeinde hatten sich um den Stadtpfarrer Konrad Möckel ein Kreis engagierter Jugendlicher zu vielfältiger Gemeindearbeit gebildet. Im sogenannten „Schwarze-Kirche-Prozess” wurde im November 1958 gegen diese 20 Personen Anklage wegen angeblicher staatsfeindlicher Handlungen erhoben. Insgesamt 9 Urteile zu lebenslanger Haft und weitere zu mehrjährigem Kerker wurden ausgesprochen.

Die Securitate, die Geheimpolizei Rumäniens, eröffnete dann 1959 den sogenannten Schriftstellerprozess, in dem fünf rumäniendeutsche Autoren – Wolf von Eichelburg, Hans Bergel, Andreas Birkner, Georg Scherg und Harald Siegmund – angeklagt und verurteilt wurden.
Infolge der menschenverachtenden Misswirtschaft und Diskriminierung durch das nationalkommunistische System, aber auch aufgrund des Freikaufs von Rumäniendeutschen durch die Bundesrepublik Deutschland, verminderte sich zwischen den 1960er Jahren und den 1980er Jahren die Zahl der deutschen Bewohner Kronstadts von etwa 7000 auf etwa 4000.

Immerhin gelang es während dieser Zeit, die Schwarze Kirche, die seit dem Jahrhundertbeginn Baustellen erdulden musste, vollständig fertig zu restaurieren. Die Gemeinde hatte 1937-1944 die Kirche aus eigenen Mitteln hergestellt. Während der politischen Tauwetterperiode wurden die Arbeiten 1969 durch das rumänische Denkmalamt wieder aufgenommen. Nachdem die rumänische Denkmalbehörde 1977 aufgelöst worden war und alle Arbeiten an der Schwarzen Kirche eingestellt wurden, war die Gemeinde wieder auf sich selbst gestellt. Man appellierte an Freunde in aller Welt. Vor allem auch mit Hilfe deutscher Landeskirchen und Hilfswerke konnten die Arbeiten fortgeführt und fertiggestellt werden. Am Sonntag, dem 26. Mai 1984, wurde die Fertigstellung des Innenraums und der Südseite im Beisein des evangelischen Bischofs und zahlreicher Ehrengäste mit einem Festgottesdienst gefeiert. Bei Festgottesdiensten und Feierlichkeiten empfing die Gemeinde nun wieder zahlreiche Persönlichkeiten, unter ihnen den einstigen König Mihai I. von Rumänien.
In den Jahren 1972 und 1973 waren auch zwei Restaurierungswerkstätten eingerichtet worden, eine für Altäre und eine für Textilien. Im Herbst 1999 wurden die Arbeiten an der Schwarzen Kirche dann schließlich vollständig fertiggestellt.

Als im Dezember 1989 der politische Umbruch auch in Kronstadt stattfand, hatten sich tausende Demonstranten auf dem Marktplatz versammelt und auch hier das Blutvergießen zu beginnen drohte, läuteten die Glocken der Schwarzen Kirche, und Stadtpfarrer Matthias Pelger gesellte sich zu den Demonstranten und betete mit ihnen für den Frieden.

Die Gebete der Menschen haben gefruchtet: Die Stadt erlebt seit 1989 eine Friedenszeit. Sie hat sich erholt und ist aufgeblüht. Wie alle anderen christlichen Gemeinschaften in der Stadt kann auch unsere Gemeinde ihren Glauben uneingeschränkt leben. Wir können uns diakonisch für die Alten und Armen, Alleingebliebenen und Kranken einsetzen. Wir dürfen Kultur und Sprache pflegen. Mehr noch: Die Kirchen Kronstadts leben in gutem Einvernehmen miteinander und pflegen, wo sich die Gelegenheit bietet, den Austausch: In jedem Jahr begehen wir gemeinsam die Ökumenische Gebetswoche für die Einheit der Christen und schreiten zusammen in der Karfreitagsprozession, zum Zeichen der Verbundenheit mit allen Menschen in Christus