von Stadtpfarrer Christian Plajer
Liebe Leserinnen und Leser,
Gott spricht: Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben! (Jesaja 55,1ff. i. A.)
Umsonst – es gibt etwas Wunderbares umsonst.
Du brauchst nichts zu bezahlen, du brauchst dich nicht anzustrengen. Du brauchst dich nicht zu fragen, ob du alles gut gemacht hast – du darfst dich einfach beschenken lassen – umsonst. Auch wenn du denkst, dass du das gar nicht verdient hast. Nein! Du bist zutiefst geliebt und wertgeschätzt, du darfst das Wunderbare haben – umsonst.
Dem steht Hoffnungslosigkeit, enttäuschte Erwartung, die offensichtliche Vergeblichkeit menschlicher Bemühungen gegenüber. Der Schrecken über das Ausmaß der Waldbrände in Europa. Nicht enden wollende Kriege und politisches Chaos. Die uns bedrängende Einsicht, dass wir Dinge, die in unserem eigenen Leben nicht gut sind, nicht in den Griff bekommen. Dass wir dies und jenes beim besten Willen nicht schaffen.
Und so sehen wir die Katastrophe schon auf uns zukommen und halten sie für unausweichlich, weil es ja ‚logisch‘ ist, daß es so kommen muss.
Echt ‚logisch‘ ist es aber genau anders herum. Die Zukunftsforscherin Florence Gaub sagt: „Das Alleinstellungsmerkmal der Zukunft ist, dass sie immer anders aussieht als die Gegenwart.“
Damit widerspricht die Wissenschaftlerin diesem oft so nahe liegenden Gedanken: „Man ist selbst der Versuchung erlegen, [die erlebte negative] Realität als die einzig mögliche anzusehen und sie auch in die Zukunft zu verlängern“ (Kilian Trotier).
Die eingangs erwähnte Botschaft aus dem Prophetenbuch geht über die Erkenntnis der Zukunftsforschung weit hinaus. Es werden böse Entwicklungen nicht bloß relativiert. Sondern es geht um viel mehr. Gott lässt uns sagen: ‚Ich bin ein Gott des Lebens, ich schenke euch unmittelbare Lebendigkeit – umsonst‘.
Die Erfahrung in dieser Welt lehrt uns: Alles hat seinen Preis, nichts ist umsonst. Nein, sagt uns der Prophet, eben nicht. Sondern: Es gibt das Leben – umsonst. Das Leben, das Gott uns zugedacht hat, das Leben in seiner Nähe, das Leben in seinem Schutz, das Leben unter seiner Aufmerksamkeit – das gibt es umsonst. Kommt und lasst euch beschenken, heißt es hier.
„Höret, so werdet ihr leben“. Keine Leistung, kein Zwang, kein ‚wenn du nicht dies… wirst du nicht das…‘. Keine Negativfolie oder gar Drohung: ‚wehe dir, wenn du nicht hörst‘. Nein, eben nicht! Sondern eine liebevolle, warmherzige Einladung, dieses allem zuvorkommende Geschenk wahrzunehmen. Hören als wahrnehmen, für wahr halten und damit rechnen. Für eine gute Zukunft, die wir jetzt schon schauen dürfen im Glauben.
In diesem Sinne sei uns allen viel Zuversicht im Vertrauen auf Gott beschieden.
Foto: Steffen Schlandt, 2026