von Pfarrer Claudiu Riemer
Ein Kaiser, reich und mächtig, fand keine Ruhe und suchte nach der wahren Lebensphilosophie. Weder Gelehrte noch Priester konnten ihn zufriedenstellen, also machte er sich selbst auf den Weg. Nach langen Jahren blieben ihm drei Fragen: Wann ist die wichtigste Zeit? Wer ist der wichtigste Mensch? Was ist das Wichtigste, das zu tun ist? Schließlich traf er einen alten Eremiten. Der sagte: Die wichtigste Zeit ist immer jetzt. Der wichtigste Mensch ist der, der vor dir steht. Und das Wichtigste ist, sich zu kümmern, mit Liebe und Achtsamkeit.
Genau darum geht es am Weihnachten. Gott wartet nicht auf perfekte Lebensläufe. Er kommt mitten in unser Leben.
„Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn.“ (Gal. 4,4)
Paulus schreibt, dass die Zeit erfüllt war. Die wichtigste Zeit ist „Jetzt“ und deswegen dürfen wir so sein, wie wir sind. Der Herr kommt. Er kommt, damit wir werden können, wer wir sind. Wenn die wichtigste Zeit jetzt ist, dann darf es klein anfangen. Ein Anruf, der nicht länger aufgeschoben wird. Ein „Tut mir leid“ oder „Ich hab dich lieb“, das nicht auf die Feiertage warten muss. Mehr als den Augenblick bekommen wir nie auf einmal geschenkt.
„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mk. 12,31)
Der wichtigste Mensch ist der vor dir. Vielleicht steht vor dir dein Nachbar mitten auf der Straße, der dich einfach nur grüßt. Vielleicht dein eigenes Kind, das eigentlich nur Zeit möchte. Vielleicht der Kollege, der mit dir nur reden will. Und ja, du selbst gehörst dazu. Manchmal heißt den vor dir sehen, dem Spiegelbild am Morgen kurz zulächeln.
„Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Mt. 25,40)
Und das Kümmern. Es braucht keine große Bühne und Rampenlicht. Ein gutes Wort. Eine Nachricht mitten am Tag oder spät in der Nacht. Eine kleine Kleiderspende oder einfach nur ein Gebet für jemanden, das nur Gott hört. Vielleicht ist Neujahr weniger die Zeit für lange Listen, sondern für „gerade Haltung“. Ich will mich kümmern. Heute. Hier. So gut ich kann. Und wenn ich es vergesse, fange ich wieder an.
Drei Worte, die wir mit in die Festtage und ins neue Jahr mitnehmen. Jetzt. Du. Kümmern. Gott ist da. Der Mensch vor mir zählt. Liebe muss gelebt werden.
Bild: Andrea Mantegna, Anbetung der Könige, 1495-1505. Quelle: wga.hu